Jagdhornblasen in Essen

Die Kreisjägerschaft Essen hat Pionierarbeit in der Förderung der Tradition des Jagdhornblasens im Lande NRW geleistet. Bereits vor ihrer Gründung im Jahre 1948 hatten  sich die Jäger, in deren Händen vor und während des Krieges die jagdlichen Aufgaben ruhten mit ihren Hörnern getroffen. Aus diesem Kreis gründete 1947 der damalige Kreisjägermeister Leo Fehrenberg das auch heute noch aktive Jagdhornbläserkorps der Kreisjägerschaft.

Horn

Rückblick auf Entwicklung und neue Wege

Den Jägern der Kreisgruppe Essen war die Jagdausübung 1946 noch verboten, nicht aber das Blasen des Jagdhorns. Kreisjägermeister Leo Fehrenberg  scharte eine Handvoll Jäger um sich und versammelte so eine erste Bläsergruppe nach dem Kriege. 

Nur die Erinnerung und ein zerfleddertes Heft mit den Jagdsignalen, unterlegt mit den Frevert´schen Merkversen, waren verfügbar. Damit wurde auf der Malztenne der Sternbrauerei geübt. Als sie einigermaßen saßen, war zum Weiterkommen musikalischer Sachverstand erforderlich. Man fand Herrn Raid vom Essener Theater, dann Gerd Poppe. Die musikalischen Leiter polierten nicht nur den Signalfundus auf, sie schrieben auch für Jagdhörner geeignete Märsche und Fanfaren, da es derartiges Notenmaterial damals noch nicht gab.

So trainiert, wurde das Korps bald über die Grenzen von Essen bekannt und blies vor den Präsidenten Heuß (1951) Carstens, von Weizsäcker und Potentaten wie Paul von Griechenland, und Haile Selassi.

Mittlerweile entstanden in NRW weitere Korps. Den ersten Landesbläserwettbewerb richtete unser Mitglied Martin Freimuth 1957 in Köln aus. Hier, wie bei den beiden folgenden in den Jahren 1959 und 1961, belegte das Korps „Leo Fehrenberg“ den 1. Platz.  Das Korps krönte 1963 seinen Siegeszug und wurde Bundessieger.

Korpsführer / musikalische Leiter waren bei Fehrenberg waren:

1946 – 51          Leo Fehrenberg / Paul Raid

1951 – 63          Willi Ackermann / Gerd Poppe

1963 – 66          Gerd Messerschmid / Gerd Poppe

1966 – 69          Willi Ackermann / Gerd Poppe

1970 – 74          Heino Wilhelm / Gerd Poppe

1974 – 82          Jürgen Heck / Edmund Botterbusch

1982 – 83          Jürgen Heck / Teddi Stauber

1983 – 04          Jürgen Heck

2004 – 10          Jürgen Heck / Hartmut Krema

2010                   Hartmut Krema

Die langjährige Vorbildfunktion hat zur Breitenarbeit beigetragen: Bläserlehrgänge sorgen stetig für neue Freunde des Jagdhorns. Allein der Bläserobmann hat mehr als 300 Bläserinnen und Bläser ausgebildet, die die Bläserprüfung bestanden haben. Ab 1974 gründeten bzw. unterwiesen Korpsmitglieder neue Bläsergruppen in den einzelnen Essener Hegeringen, wie Helmut Konietzka in Borbeck, Bernhard Müller in Steele, Ernst Löffek im Hegering Mitte, Hubert Kopyra und Dieter Roser in Kupferdreh, Hans-Günter Hentschel in Rüttenscheid sowie Jürgen Heck in Kettwig. Im LJV glaubte man, hier gäbe es ein Nest, dem dieser Nachwuchs entschlüpft.

Weitere Entwicklung

Gruga

Jagd- und Waldliederkonzerte mit 120 Jagdhornbläsern 30 Hunden vor tausenden Zuschauern am Musikpavillon in der Gruga waren in den achtziger und neunziger Jahren die Höhepunkte der Öffentlichkeitsarbeit. Alle Bläsergruppen und zahlreiche Rüdemänner der Kreisjägerschaft waren daran beteiligt. Bild: Hanni Marnach

Als besonders nützlich erwies sich die Konstellation, dass der Korpsführer Jürgen Heck gleichzeitig musikalischer Leiter des Korps´ „Leo Fehrenberg (Vizemeister 1994 für große und kleine Hörner) und des Korps´ des Hegeringes Kettwig (Landesmeister 1994 für Fürst-Pless Hörner) war. Dadurch stand der Kreisjägerschaft bei großen Auftritten ein Klangkörper von bis zu 60 hochtrainierten Bläsern mit identischem Repertoire zur Verfügung. Dazu zählt das gemeinsame Auftreten bei den vielen jährlichen Hubertusmessen und anderen Konzertveranstaltungen, z.B. vor tausendköpfigem Publikum bei Großveranstaltungen des Landesjagdverbandes.

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Bläsergemeinschaft der Kreisjägerschaft Essen   beim Landeswettbewerb in Springe 2000

Den absoluten Höhepunkt bildete im Jahre 2000, die erfolgreiche Teilnahme der Bläservereinigung aus Fehrenberg und Kettwig, die für die Kreisjägerschaft Essen mit 55 Bläserinnen und Bläsern als die größte Bläsergruppe aller Zeiten am Landeswettbewerb NRW im Jagdhornblasen in Schloss Neuhaus teilnahm.

Diese Zusammenarbeit führte 2005 zum Zusammenschluss beider Bläsergruppen unter dem Traditionsnamen „Leo Fehrenberg“. Heute haben wir 43 aktive Bläserinnen und Bläser.

Trotzdem lässt es sich nicht verheimlichen, dass alle Gruppen unter Nachwuchsmangel leiden. Die Gruppen der Hegeringe Rüttenscheid und Steele haben sich 1988 zu einer erfolgreichen Korpsgemeinschaft zusammengeschlossen. Während Fehrenberg an seinen CDs arbeitete, war diese Gruppe die einzige, die Essen auf dem letzten Wettbewerb 2008 vertreten hat.

 

Nachfolge geregelt

Im Jahre 2004 gab Jürgen Heck nach 20 Jahren die musikalische Leitung des ältesten Bläserkorps´ in die jüngeren Hände des Korpsmitgliedes Hartmut Krema. Seine umfassende musikalische Ausbildung ist Garant für die Weiterentwicklung unseres künftigen musikalischen Wirkens.

Da dieser Schritt so erfolgreich verlaufen ist, konnte Jürgen Heck nun in diesem Jahr nach 35 Jahren auch sein Amt als Korpsführer in Hartmuts Hände legen, was durch die einstimmige Wahl der Mitglieder im Januar 2010 bestätigt wurde.

Damit endet nach ebenfalls 35 Jahren auch meine Tätigkeit als Obmann für das Jagdliche Brauchtum in Essen. Von den vielen Aktiven der Hegering-Bläsergruppen, die bei den zahlreichen Veranstaltungen der Kreisjägerschaft mitgewirkt haben, verabschiede ich mich mit einem herzlichen Waidmannsdank.

Die Wende

Mit einigen Gedanken zur Entwicklung des Jagdhornblasens möchte ich diesen Rückblick beenden.  Als das Jagdhornbläserkorps Leo Fehrenberg vor über 60 Jahren gegründet wurde, gab es nur Fürst-Pless-Hörner. Nach dem Aufbau des Korps’ kam der Ruf nach anspruchsvolleren Stücken. Der damalige musikalische Leiter, Gerd Poppe, führte daraufhin Ventilhörner in das Korps ein. Erst nach und nach kamen Parforcehörner hinzu, und, analog zu den Ventilhörnern, Waldhörner.

Edmund Botterbusch führte für diese Instrumentierung die Hubertusmesse in der Bearbeitung von R. Stief bei uns ein.

Jürgen Heck setzte eine Entwicklung fort, die mit Teddi Stauber begann. Stücke, die zwar zur jagdlichen Musikliteratur wie das „Rendez-vous de chasse“ von G. Rossini wurden für unser Korps bearbeitet. Um aber auch den zahlreichen Parforcehorn-Bläsern ein Mitmachen zu ermöglichen, wurden Stimmbögen gebaut, die die B-Hörner in F umstimmen. Mit zunehmender musikalischen Reife drangen wir gar bis in Bereiche vor, die einfach nur wunderbar zu blasen sind, wie z,B. die „Himmel rühmen“ von Beethoven u.v.a.m.. Das begeisterte den damaligen Landesobmann Malzkorn dermaßen, dass man uns anlässlich des Bundesjägertages in Bonn einlud, beim Festakt in der Beethovenhalle nach der Ansprache des Bundeskanzlers neben den Bläsern von Reinhold Stief auf der Bühne zu stehen und diese besonderen Stücke vorzutragen.

Nach der Übernahme der musikalischen Leitung durch Hartmut Krema wurden zahlreiche weitere Stücke der Volks- und Jagdmusik aus zwei Jahrhunderten für unser Korps mit seiner geschichtlich gewachsenen Instrumentierung bearbeitet und eine zweite CD eingespielt.

Diesen Prozess möchte das Bläserkorps Leo Fehrenberg fortsetzen. Neben der traditionell exzellenten Darbietung der Jagdsignale, soll die musikalische Ausbildung des Korps vorangetrieben werden um anspruchsvolle Musikliteratur in Ohrenschmaus umzusetzen. Diesem Ziel zuliebe werden wir in nächster Zeit nicht zu Jagdhornbläserwettbewerben fahren, die eine monatelange, akribische Vorbereitung erfordern, sondern an unserem eigenen Programm arbeiten und wirkungsvolle Einsatzmöglichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit der Kreisjägerschaft suchen.                                                       Autor: Jürgen Heck 


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